Lechroute

Bis das Buch dazu erscheint, nachfolgend zunächst allgemeine Informationen über die

Flößerei auf dem Lech

Der Lech entspringt in den Lechtaler Alpen. Er mündet nach 264 Kilometern bei Rain am Lech/Donauwörth in die Donau. Bereits die Römer flößten ihre Waffen und andere Waren von Füssen nach Augsburg, vom Füssener zum Augsburger Kastell, metallene Anhänger beweisen es; sie sind ausgestellt im Stadtmuseum Füssen.

Mit einer Floßordnung, die bereits aus dem 13. Jahrhundertstammt, zählt der Lech zu den Wasserstraßen, die für die Floßfahrt von großer Bedeutung waren. Freilich hatten es die Fergen auf dem Lech nicht leicht, denn sie mussten immerhin 15 Wehre und Brücken auf der Strecke von Füssen bis Augsburg durchfahren.

Gewöhnlich war die Reise in Augsburg beendet, doch auf ihren Fahrten gelangten die Lechfergen nicht selten in die weiter abwärtsliegenden Donaustädte bis nach Wien oder Belgrad.

Auch zu kriegerischen Zwecken mussten weite Floßreisen in Kauf genommen werden. So kamen im Jahre 1771 insgesamt 26 312 Pfund Metallstücke sowie Pulverproben mit Hilfe des Floßmeisters Ott nach Wien.

Neben derart außergewöhnlichem Ladegut waren es jedoch vor allem Holz und Kalk, aber auch Öl, Holzkohle, Vieh, Molkereiprodukte, Zinn und Blei, Waren aus dem Süden (Wein), die ihren Weg über die Wasserstraße nahmen. Die Lechflößer besaßen wie die Isarflößer ein Transportmonopol (Rottwesen).

Nicht vergessen werden darf die Personenbeförderung durch die Ordinarifloßfahrt. Eine Gesellschaftsreise nach Wien, auf der meist Pferd und Wagen für die Rückreise mitgenommen wurden, dauerte 10 bis 14 Tage. Natürlich konnte damals nur eine ungefähre Zeitangabe für die Fahrtdauer im Fahrplan angegeben werden: Füssen-Augsburg 1 bis 2 Tage; Lechbruck –Augsburg 10 Stunden, Lechbruck – Ingolstadt 19 Stunden, für den Rückweg von Augsburg nach Lechbruck nur 1 ½ Tage und von Wien 8 Tage.

Zur Blütezeit der Flößerei war der Floßverkehr auf dem Lech sehr dicht. Während man um das Jahr 1600 in Augsburg etwa 3500 Flöße zählte, waren es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer noch 3300.

Ab 1876 wurde die Floßlänge auf dem Lech mit höchstens 40 Metern und einer Breite von höchstens 7 Metern ab Augsburg festgelegt. Ein gewöhnliches Lechfloß war jedoch nur 18 bis 24 Meter lang und 7 bis 8 Meter breit. Die Längsbäume wurden meist durch 3 Rundhölzer (G'läger) - vorne, mitten und hinten - verbunden. Es gab 4 Ruder: 2 vorne und 2 hinten. Vorn stand der Ferge, hinten der Steuermann oder „Aufrichter“. Neben den Baumflößen kannte man auch die 20 Fuß langen Bretterflöße, Bretterfuhren oder „Flitschen“.

Trift

Im 16. Jahrhundert, als die Stadt Augsburg unter großem Brennholzmangel litt, entschloss man sich dazu, „Prügel“ auf dem Lech zu triften. Durch die Uferschäden, die die Stämme anrichteten, fand die Trift nur wenige Befürworter. Schließlich kam sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts völlig zum Erliegen.

Wertach, Zufluss des Lechs

Die Wertach ist der größte Nebenfluss des Lechs; er entspringt in den Allgäuer Alpen.Die erste Nachricht zur Flößerei auf der Wertach stammt aus dem Jahre 1304. Doch konnte sich der Floßbetrieb hier durch zahlreiche Flussverbauungen und Niedrigwasser längst nicht so gut entwickeln wie auf dem Lech.

Mit dem letzten Floß auf der Wertach im Jahre 1893 und einer Floßfahrt auf dem Lech im Jahre 1914 verschwand auch an diesen Flüssen das stolze Handwerk der Fergen.

Trift auf der Wertach

Auch auf der Wertach machte man mit der Trift keine sonderlich guten Erfahrungen, nachdem im Jahre 1747 nur ein Drittel des für Augsburg bestimmten Triftholzes sein Ziel erreichte. Der Rest war gestohlen worden. Der Häusler Benedikt Adelrieder, den man bei Nacht dabei erwischte, wie er einen Prügel aus der Wertach zog, musste dies mit einer empfindlichen Geldstrafe und zwanzig Stockhieben auf den blanken Rücken büßen.

Quelle: Bajorat/Sazenhofen, Handwerksfibel Flößerei und Trift