Bad Tölz

Blick auf den Ortsteil "Gries" mit der Mühlfeldkirche.

Tölz, der wichtigste Flößerort im Isarwinkel

Die Kreisstadt Bad Tölz ist ein Kurort und ein Anziehungspunkt für Touristen. Sie besuchen die Stadt gerne wegen seiner schmucken historischen Marktstraße sowie den zahlreichen Veranstaltungen – die berühmteste ist die Leonhardifahrt am 6. November. Früher wohnten Handwerker, wie Flößer, Kalkbrenner, Köhler und Fischer, die ein eigenes Heim anstrebten, obwohl sie weniger begütert waren, am Kies-Anschwemmland, dem Ortsteil „Gries“. In Tölz wurden durchschnittlich 22 Flößermeister gezählt; 1794 sind sogar 24 Floßmeister und zirka 100 geschulte Knechte ansässig.

Die Flöße landeten in Tölz, im Bereich der heutigen Isarbrücke an, sowohl am rechten wie auch am linken Flussufer. Eine eigene Lände gab es nicht.

Besondere Tölzer Ausfuhrprodukte waren die berühmten, bunt bemalten Schränke, die Tölzer Kasten, die auf mehreren Plätzen die Isar und die Donau entlang feilstanden. Oder das beliebteste Getränk in der Residenzstadt München: das Tölzer Bier. 1782 zum Beispiel lieferten die 22 Brauereien auf 109 Flößen 8730 Eimer (1 Eimer = 66 Maß/Liter) Bier; 1784 waren es 6640 Eimer (438.240 Liter). Aus den Tölzer Bergen stammte das Holz von rund 2100 Baumstämmen auf 147 Flößen, das Münchner Baumeister 1473 bis 1475 für die Münchner Frauenkirche verarbeiteten.

Bereits 1369 gab es Statuten mit der Vorschrift, dass kein Flößer im ersten Jahr seiner Fahrt Personen auf dem Floß mitnehmen dürfe und dass, wenn das Lehrjahr vorüber, das Handwerk entscheiden müsse, ob er ein rechter Ferge sei. In einer Sondersatzung der Tölzer Flößer von 1527 wurde festgelegt, dass die Zunft nur verheirateten und in Tölz ansässigen Bürgern offenstand, ferner wurde die Vorsorge für die Sicherheit der Reisenden getroffen, die Zahl der jährlich gestatteten Flöße je Floßmeister auf 100 festgelegt, die Entlohnung bestimmt und eine Unterstützungskasse eingerichtet.

Kalkofen beim Bad Tölzer Jägerwirt. Die Tölzer Kalkflöße, die in München anlandeten, stellten ein bedeutendes Kontingent. Denn hier waren oft bis zu 18 Kalköfen in Betrieb.

In Tölz starteten auch die Passagiere ihre Reise auf den „Ordinariflößen“, die nach Fahrplan fuhren: Seit 1623 gab es eine wöchentliche Floßverbindung zwischen München und Wien. Sie fuhren im 18. Jahrhundert sogar zweimal.

Die Ordinariflöße waren mit einer heizbaren Bretterhütte nebst Küche ausgestattet. Für Koffer oder großes Gepäck war die einfache Personentaxe zu zahlen, kleines Reisegepäck, Kinder unter drei Jahren und „wahrhaft Arme“, zum Beispiel Handwerksburschen, waren frei. Wollte jemand eine Hütte für sich allein haben, so konnte er sich eine solche für etwa 4 fl. aus Brettern zimmern lassen. Der Zentner Kaufmannsgüter und andere Waren kostete die einfache Personentaxe, also bis Wien 4 Gulden.

Floß vor Bad Tölz, ca. 1920, Archiv Willibald.

Eine unheimliche Sage: Der Schinder mit dem Prügelzauber

Vor mehr als hundert Jahren ist der Tölzer Marktfloß, die "Ordinari", mit Bier und Leuten nach München gefahren. Wie sie unterhalb des Taubenloches beim Wasenmeister* vorbeikamen, sieht einer der Gäste "den Unrechten" und schreit ans Ufer hinüber: "Schindersknecht! Schindersknecht!"

Aber der Schinder hat mehr können als Birnenbraten und hat es ein wenig mit dem Muxel gehalten. Er sagt kein Wort, hängt seinen Janker an einen Baumast und haut mit dem Stecken aus Leibeskräften so unbarmherzig drein, wie der Teufel einen Bettelbuben in die Hölle wirft. Und jeden Hieb und Streich hat der andere auf dem Floß an seinem Buckel gespürt, so dass ihm Hören und Sehen vergangen ist und er mörderisch zu schreien angefangen hat. "Wart", hat der Schinder gesagt, "ich will dir schon kommen!" und je mehr der auf dem Waldschragen geschrien hat, umso stärker hat er zugeschlagen.

*Der Wasenmeister war für die Beseitigung von Tierkadavern und die Tierkörperverwertung zuständig. Es haftete an den Abdeckern bis 1817 der Makel der Anrüchigkeit ihres Gewerbes, sie waren vom Kontakt mit der übrigen Bevölkerung nahezu ausgeschlossen. Sie heirateten meistens nur untereinander. Die Wasenmeistereien waren wegen ihrer Abgelegenheit ideale Schlupfwinkel für gesuchte Verbrecher, eine bekannte Figur ist der Schinderhannes. Scharfrichter und Abdecker waren – da erstere von den seltenen Hinrichtungen nicht leben konnten – oft dieselbe Person. Der Beruf des Abdeckers galt als unehrlicher Beruf.

Quelle: Sagen aus dem Isarwinkel, Willibald Schmidt, Bad Tölz, 1936, 1979;

Mehr über Bad Tölz in unserem Buch „Entlang der Isar. Von Scharnitz bis München-Thalkirchen - Ausflüge auf den Spuren der Flößer“.