Fall

Das Dorf Fall ist Jahrhunderte alt, aber sein Standort relativ neu. Vom 13. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre lag die Siedlung direkt an der Isar, an der für Flöße so gefährliche Faller Klamm. Sie gab dem Dorf ihren Namen. Obwohl lange nicht feststand, ob das Faller Tal zu Bayern oder zu Tirol gehörte, wurde hier ein bayerisch-herzoglicher Hof angelegt. Gefährlich war das Faller Tal für die Floßfahrt. Viele Unfälle und Unglücke haben sich hier schon ereignet.

Floß an der neu gebauten Sylvensteinbruecke - Wahrscheinlich eine der letzten Fahrten aus Fall; Archiv Willibald

Doch dann fiel Fall dem Bau des Sylvenstein-Speichers zum Opfer: Das ganze Tal mitsamt der Ortschaft wurde 1959 geflutet. Von Alt-Fall sind nur Grundmauern geblieben. Als die Bauarbeiten begannen, wurden die etwa 20 Häuser abgerissen. Die damals 140 Bewohner wurden ab 1954 an eine höher gelegene Stelle umgesiedelt, sie erhielten dort ein neues Dorf mit Wirtshaus und Kirche.

Ein Floßunglück im Fall aus dem Jahr 1594

Der Barbier und Chirurg Jacob Stombolo aus Casale Monferrator hatte zum Gesinde Kaiser Rudolfs II. (1575-1612) gehört, mit dessen Hofhaltung er hatte ziehen und sein Handwerk dabei üben dürfen. Er befand sich auf dem Weg von Mailand nach Prag und hatte in Mittenwald zusammen mit dem Fruchtträger am 17. Juli 1594 bei dem Floßmeister Hanns Khäppfinger, der am Montag zwei Lärchenholzflöße nach München führen wollte, die Fahrt für 15 Kreuzer je Person vereinbart. Um sechs Uhr früh hatten beide Flöße abgelegt, Khäppfinger und seine Frau auf dem ersten, seine drei Knechte und die Fahrgäste auf dem zweiten.

Für die letzteren hatte Khäppfinger inmitten des Floßes eine Sitzbank angebracht und Seile zum Festhalten. Oberhalb des Falls hatten sie sich auf die Frage, ‚ob sy’s wagen oder ausspringen wellen’ – der Fruchtträger sprach auch deutsch und hatte schon oft die ‚böse Fahrt’ überstanden -, fürs ‚Wagen’ entschieden. Als sie um zehn Uhr in den Fall einfuhren, kam Khäppfinger mit seinem Floß glücklich hindurch, doch auf dem zweiten Floß hatten sich die Reisenden nicht fest genug an Sitz und Seil gehalten und waren ‚durch den schwall laider hinaus gestessen worden’. Die Floßknechte hatten mit sich selbst genug zu tun gehabt, der Floßmeister hatte den Ertrinkenden nicht nahe genug kommen können; nur noch ‚etlichen zeug’ aufzufangen war er imstande gewesen. Die Leichen wurden unter Mithilfe anderer Personen oberhalb von Lenggries geborgen.

Im Zuge der amtlichen Untersuchungen des Unglücksfalles durch das Landgericht Tölz wurde auch das betroffene Floß von Fachleuten besichtigt. Es erwies sich als ‚wol verfasst und zusammen gehaggt’ aus langen, schweren Lärchenstämmen, für den Personen- und Gütertransport aber als ungebräuchlich in seiner Art. Der Floßmeister, der gefragt wurde, ob die Handwerksordnung den Personentransport auf solchen Flößen überhaupt zulasse, gestand, es gebe zwar in Mittenwald eine Ordnung der Floßleute, sie werde aber bei inen wenig gehalten’, nie seien dergleichen Transporte untersagt worden. Seine drei Floßknechte, an deren Fähigkeit und Erfahrenheit nicht gezweifelt wurde, gaben spontan zur Kenntnis, die Fahrt ‚unbezechts weins’ angetreten zu haben.“ Quelle: Bammer/“Altbayerische Flusslandschaften“

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