Harlaching

Ein Reiseführer aus dem 19. Jahrhundert schwärmt über den heute eleganten Münchner Ortsteil Harlaching von „viel Naturschönheit durch den Strom“. Doch früher war es auch wirtschaftlich bedeutend: Am rechten Isarufer oberhalb des Auer Senkbaums gab es eine kleine Lände. Die Flößer fürchteten das Auer Wehr: Sie wurden durch das starke Gefälle der Isar unterhalb von Großhesselohe extrem schnell auf das Wehr zugetrieben, eine gefährliche Stromschnelle erhöhte noch zusätzlich das Unfallrisiko.

Sehenswert ist die Marienklause, errichtet um 1855 vom Sohn eines der Flößer, die sich 50 Jahre zuvor hier nach einem Floßunfall retten konnten; Foto Brandstetter.

Wie im Buch "Entlang der Isar" versprochen, hier nachfolgend die Sage von der verführerischen „Isarnixe“.

In der Isar haust eine Nixe, ein schönes, aber gefährliches Wesen mit grünem Haar, das schon vielen Fischern und Flößern den Tod gebracht hat. Ihr Lieblingsaufenthalt ist das Isarwehr bei der Marienklause. Nie passierten früher die Flößer diese Stelle, ohne ein Vaterunser zu beten, das sie vor dem Lied der Isarnixe schützte. Denn wer diesen Gesang hörte, kam bei einer seiner nächsten Fahrten ums Leben. Früher standen bei der Marienklause am Wehr viele Marterl zum Gedenken an die Flößer, die hier in den Wellen der Isar ertrunken waren. Auf einem Marterl war sogar im Bild dargestellt, wie an dieser Stelle ein Flößer, dem Gesang der betörenden Nixe lauschend, nicht auf die wilden Strudel der Isar achtete und dadurch tödlich verunglückte. Die Isarnixe soll auch bei drohendem Hochwasser durch die Isarauen schleichen und einsame Wanderer durch kleine Flämmchen vom sicheren Weg abbringen, so dass er in den Hochwasserwellen ertrinken muss. Seit jener Zeit hören immer wieder einsame Wanderer einen geisterhaften, lieblichen Lockruf „Tutli-i-i-i“.

Es wohl auch die Isarnixe, die einmal einen Musiker in den Isarfluten versinken ließ. Als der Bayernherzog Albrecht IV. im Jahre 1487 sich mit Kaiser Maximilians Schwester Kunigunde vermählte, ging es hoch her. Auch die Isarnixe mischte sich unerkannt unter die Gästeschar. Spielleute kamen nach München und musizierten zum Schmaus und Hochzeitstanz. Unter diesen Fremdlingen war ein hübscher junger Musiker, der im Spielen der Sackpfeife Meister war. Besonders verstand er es, mit diesem Instrument verschiedene Vogel- und Tierstimmen nachzuahmen. Als die Kunst des Spielmanns in der Stadt immer bekannter wurde, kamen tagtäglich viele Leute, um sein Spiel zu hören. Auch ein schönes, aber allen unbekanntes Edelfräulein war darunter, sie lauschte seinen wunderlichen Melodien und unterhielt sich mit dem Spielmann manche Stunde. Sie hatte blondes Haar, auf dem die Sonnenstrahlen grün-goldene Lichter tanzen ließen, grünschimmernde Augen, trug ein grünseidenes Kleid, das mit wasserhellen Edelsteinen bestickt war, und grüne Schuhe.

Als eines Tages der Herzog mit seinem Gefolge einen Ausflug nach dem Jagdschloss Grünwald unternahm, waren auch das Edelfräulein und der Spielmann dabei. Sie führte ihn hinab zum Isarufer und fragte ihn, ob er den Mut besitze, sein Leben zu wagen. „Es sei!“ rief der Jüngling übermütig und stolz ob der Ehre, und forderte von dem Edelfräulein Gelegenheit zur Tat. Da riss das Mädchen sein Geschmeide vom Hals und warf es in die Fluten der Isar. Ohne sich zu besinnen stürzte sich der Spielmann wagemutig in das reißende Wasser; aber die Isar gab beide nimmer zurück. Drei Tage – dann war auch das Edelfräulein spurlos verschwunden. Seit jener Zeit tönt der geisterhafte Lockruf „Tutli-i-i-i“. Wehe dem, der diesem Rufe folgt! Denn die Wasser der Isar bereiten auch ihm ein nasses Grab! Helles Gelächter tut dann dem Verlorenen kund, dass er der Isarnixe zum Opfer gefallen ist.

Quelle: Team Auer Mühlbach

Mehr über Harlaching in unserem Buch „Entlang der Isar. Von Scharnitz bis München-Thalkirchen - Ausflüge auf den Spuren der Flößer“.