München-Thalkirchen

  • Ankunft der Flöße an der Zentrallände in Thalkirchen.
  • Flößerwallfahrt zur Kirche St. Mara Thalkirchen
  • Die Spitze der Flößerwallfahrer

Die Spitze der Flößerwallfahrer führen die historischen Zunftstangen mit den Flößerheiligen, dem hl. Nikolaus und dem hl. Nepomuk an.

Thalkirchen ist ein bürgerlicher Stadtteil Münchens und ein beliebtes Naherholungsgebiet, dank seiner Lage am Flaucher, dem nahen Tierpark und der renaturierten Isar. Eine weitere Attraktion ist die Zentrallände, an der heute endet hier die Flößerromantik endet.

Im Jahr 1900 wurde Thalkirchen auf Wunsch des „Vereins zur Förderung der Interessen von Thalkirchen“ zu München eingemeindet. Der neue Stadtteil entwickelte sich rasch, vereinzelt siedelten sich Industriebetriebe an. Doch wegen seiner Lage am Fluss vereint Thalkirchen bis heute die Gegensätze: Der Stadtteil blieb ein urbaner Rückzugsort im Grünen mit dem Hinterbrühler See und einem parkartigen Auwald.

In den 1860er Jahren war die der Blütezeit des Münchner Floßverkehrs: Laut einer Aufstellung des Bayerischen Statistischen Landesamts von 1922 kam im Jahr 1865 die Höchstzahl von 10.330 in München an. Grund für diesen Boom war der Beginn der Industrialisierung, die Betriebe, wie Ziegeleien, benötigten mehr Holz als je zuvor. Und so hatte die wachsende Stadt München zunehmend weniger Platz für die Ländbetriebe innerhalb der Stadt.

Es war klar: Neue Ländplätze waren nötig. Noch 1899 wurde dort die neue Zentrallände eröffnet, die beiden Stadtländen wurden stillgelegt. Ab 1900 gab es nur noch die Zentrallände; abgesehen von der kleinen Lände bei Harlaching auf einem Platz der Auer Wassergenossen. An der Zentrallände legten im ersten Jahr ihres Alleinbestehens 5164 Flöße an, 1378 davon kamen von der Loisach.

Eine Floßfahrt von Wolfratshausen nach München-Thalkirchen ist ja an sich schon ein herrliches Erlebnis. Aber eine Wallfahrt auf einem Floß miterleben zu dürfen, ist etwas ganz besonderes. Diese Möglichkeit bot sich zahlreichen Pilgern Mitte September mit vier Flößen, zwei hatte die Flößerei Josef Seitner bereitgestellt und zwei der Lenggrieser Betrieb Michael Angermeier. Organisiert hatte die Wallfahrt wieder der Thalkirchner Maibaumverein. Diesmal fand sie im Rahmen des Jubiläums „850 Jahre München“ statt und Alt-Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber hatte die Schirmherrschaft übernommen.

Auf drei der Flöße gestalteten Priester die Andachten und Musikkapellen spielten teils andächtig, teils fröhlich auf. Sicher, man hätte sich Sonnenschein dazu gewünscht, aber trotz mancher Wetterunbill – es regnete teilweise - war die Stimmung der Pilger gut. Damit die Pilger vor Nässe ausreichend geschützt waren, hatten Seitner und Angermeier extra Planen über die Flöße gespannt. Und jeder der Teilnehmer wusste ja: Den Flößern erging es früher nicht anders, sie mussten auch bei jedem Wetter hinaus aufs Wasser.

Zur besseren Vorstellungskraft, welche Güter damals auf einem Floß transportiert wurden, hatte Angermeier ein Floß historisch gestaltet und mit Bierfässern, Holz und Kalk beladen. Oft wurde Angermeier gefragt, warum er auch noch ein altes Fahrrad aufgestellt hatte. Die Antwort war eigentlich klar: damit sind die Flößer nach erledigter Arbeit nach Hause geradelt.

An der Zentrallände in Thalkirchen ging - und geht heute noch - die Wallfahrt zu Fuß weiter zur Wallfahrtskirche St. Maria, in der zum krönenden Abschluss ein Festgottesdienst zelebriert wurde. Musikalisch umrahmt wurde die Messe durch die Nesselwanger Jodlergruppe, die die Schweizer Jodlermesse vortrug. Der Tag klang aus im Pfarrsaal mit einer zünftigen Brotzeit und Musik.

Flößerwallfahrt zur Kirche St. Maria Thalkirchen

Seit Jahrhunderten ist die Pfarrei St. Maria Thalkirchen mit der Flößerzunft innig verbunden; davon zeugen heute noch wertvolle Erinnerungsstücke aus der Blütezeit des Flößerhandwerks in der Kirche. Diese Verbundenheit reicht in die Zeit zurück, als die Isar noch reißend war und ein starkes Gefälle gleich nach Thalkirchen das ganze Können der Männer auf den Floßen erforderte. Es war üblich, vor dieser gefährlichen Passage zur Wallfahrtskirche zu pilgern und die wunderthätige Mutter Gottes zu Thalkirchen um ihren Beistand anzuflehen.

Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine eigene Flößerwallfahrt. Die Isarwinkler versammelten sich einmal im Jahr zu einem gemeinsamen Bittgang, der sie zu der Wallfahrtskirche St. Maria Thalkirchen mit dem Gnadenbild der Muttergottes, nahe der Floßlände führte. Dieser Brauch hielt sich bis zum Ausbruch des letzten Weltkrieges.

Erst in den siebziger Jahren wurde der Brauch wieder aufgenommen. Man verlegte den Bittgang aber von St. Maria Thalkirchen in die Ulrichskapelle im Mühltal. Doch anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Wallfahrt zur Gottesmutter nach Thalkirchen im Jahre 1990 haben die alteingesessenen Flößerfamilien in Wolfratshausen in Zusammenarbeit mit dem damaligen Diakon der Pfarrei die Flößerwallfahrt nach St. Maria Thalkirchen neu ins Leben gerufen. Man vereinbarte damals, diese Wallfahrt alle drei Jahre zu wiederholen. Was auch 1993 nochmals geschah. Nach dem Weggang des Diakons fand sich in der Pfarrei leider niemand mehr, der sich darum kümmern wollte.

1995 wurde von Thalkirchner Bürgern der gemeinnützige Maibaumverein Thalkirchen gegründet. Weil sich die Vereinsmitglieder laut Satzung auch verpflichtet haben, bayerische Kultur und Brauchtum in Thalkirchen zu bewahren und wiederzubeleben, nahmen sie sich der Flößerwallfahrt an. Zum ersten Mal im Millenniumsjahr 2000 und dann 2005 starteten drei Flöße von Wolfratshausen mit dem Ziel Thalkirchen. Es handelte sich dabei um ein historisch gestaltetes Floß, geschmückt mit dem Schutzpatron der Flößer, dem hl. Nikolaus, und zwei Passagierfloßen, auf denen etwa 100 Pilger aus der Region mit je einer Blaskapelle, Trachtlern und Geistlichkeiten Platz gefunden hatten.

Wer auch an einer Flößerwallfahrt teilnehmen möchte, muss sich immer fünf Jahre gedulden, denn der Organisator, der Thalkirchner Maibaumverein, will erst dann die nächste dieser Art wieder durchführen.

Mehr über München-Thalkirchen in unserem Buch „Entlang der Isar. Von Scharnitz bis München-Thalkirchen - Ausflüge auf den Spuren der Flößer“.