Schäftlarn

Foto: Kloster Schäftlarn vom Prälatengarten aus.

Das Kloster Schäftlarn zählt zu den „Urklöstern“ (bischöflichen Eigenklöster) Bayerns und unterstand von Anbeginn dem Freisinger Diözesanbischof. Die Isar spielte für die Mönche eine zentrale Rolle. Sie war zunächst Haupttransportweg: Handelsgüter und Reisende legten auf Flößen an. Denn das Kloster besaß nicht nur rund um München einige Orte, sondern auch bei Bozen Weingüter und sechs Weinberge. Mittenwalder Flößer hatten die Aufgabe des Transports. In einem Dokument von 1173/1174, wird die Höhe der Abgaben beschrieben, die Mittenwalder Flößer dem Kloster Schäftlarn zu leisten hatten: ein Fass Wein, ein Floß und 10 Münzen.

Kloster Schäftlarn nach einem Stich von Ertl (1695); auf der damals anscheinend extrem nahe am Kloster gelegenen Isar ein Transport- und ein "Ordinari"-Floß (mit Hütte).


Kaiser Ludwig der Bayer behandelte das Kloster besonders bevorzugt und stattete es mit Privilegien aus. Sicher, weil Schäftlarns Probst Konrad Sachsenhauser (siehe Sage floesserstrasse.eu/Schäftlarn) des Monarchen beliebter und vertrauter Ratgeber war. Zum Beispiel urkundete der Kaiser 1330/31 einen Freibrief für den berühmten (und einträglichen) Keferloher Pferdemarkt: „Wir Ludwig von Gottes Gnaden römischer Kaiser, urkunden, dass Wir von besonderen Gnaden, die Wir zu dem Kloster zu Schefftlarn haben, geben haben und geben mit diesem Brief allen Zoll, der von aller Kaufmannschaft fallen mag zu Cheverloch (Keferloh) am Sankt Egidien-Abend und an seinem Tag, so zu Kirchwey ist, allso, dass de Probst und Convent des vorgenannten Klosters zu Schefftlarn den selben Zoll alle Jahr ewiglich nehmen sollen, zu gleicher Weise, als Wir Unseren Zoll zu München nehmen“.

Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts nutzten die Flößer eine behelfsmäßige Anlegestelle gegenüber Mühlthal unter der „Birg“ von wo sie Triftscheite hinauswarfen, ein Brauch der sicher auf alte klösterliche Zollpraktiken zurückging. Von dort stiegen sie dann meist den Steingraben hinauf und durch das „Floßgatter“ (gibt es heute noch) am Waldrand weiter über die „die ober Floßstigl“, denn entlang der „Leiten“ nach Hohenschäftlarn zum Brotzeitmachen.

Hoch über Hohenschäftlarn tront die Barockkirche St. Georg.

Der Ort zum Kloster – Hohenschäftlarn - ist älter als das Kloster. Bereits in dessen Gründungsurkunde (762) ist von einem Hofverband namens »Sceftilari« die Rede. Die Einwohner waren alles andere als handzahm oder den Mönchen vollkommen ergeben – vielmehr eilte ihnen der Ruf der Aufsässigkeit voraus, gerade wenn es darum ging, dem Kloster die ihm zustehenden Naturalien zu liefern.

Sage vom Raubritter Sachsenhauser und dem Birgweibl

Nun, eigentlich hat die Bezeichnung „Raubritter“ mit dem Rittertum nichts zu tun. „Raubritter“ ist lediglich ein früher bei Städten beliebtes Schmähwort für Fehdegegner. Oft waren das auswärtige Freiherren oder Ministeriale, also „Ritter“; das ist alles. Und die waren auch keineswegs immer kriminell. Vielmehr war die Fehde (also bewaffnete Selbsthilfe z. B. dann, wenn eine Stadt ihre Schulden nicht bezahlte) vor dem Ewigen Landfrieden von 1495 ein legales und legitimes Mittel, um eigene Rechte und Ansprüche durchzusetzen

Das Geschlecht der Sachsenhauser hat es wirklich gegeben.

Weil aber in der Sage über einen der Sachsenhauser, der im Spätmittelalter (ab ca. 1250 - ca.1500) hier sein Unwesen trieb, als „Raubritter“ benannt wird, belassen wir es dabei.

Der Sachsenhauser hauste hoch über Schäftlarn und Baierbrunn in einer Burg, die sein Vater auf der Birg, einer früheren keltischen Anlage und Ungarnschutzburg, auf einem Felssporn zwischen Schäftlarn errichtet hatte.

Der Vater war berüchtigt als grausam, galt als „Teufel in Menschengestalt“, der beständig auf der Lauer lag und den Menschen das Leben zur Hölle machte. „Er ist ein wüster Schnapphahn, ein liederlicher Spießgeselle“, sagte sie über ihn. Er war bekannt dafür, friedliche Kaufleute auf der Landstraße nach München auszurauben. Auch überfiel und mordete er reiche Pilger, aber besonders gern auch Flößer, die ja meist mit gut gefüllter Geldkatz‘, einem Gürtel mit Geheimtaschen, heimwärts zogen. Bald begnügte er sich nicht mehr damit, die Landstraßen unsicher zu machen. Jetzt überfiel er ohne Begleitschutz fahrende Flöße und plünderte sie aus. Er soll auch Seile quer über die Isar gespannt und so die Waren einfach vom Floß geschoben haben. Da musste er nur warten, bis alles an Land trieb. Denn noch herrschte das Gesetz der „Grundruhr“, dabei hatten Grundbesitzer oder Anwohner das Recht, die von den Flößen gestrandeten Waren als Eigentum zu behalten. Erst Kaiser „Ludwig der Bayer“ hat sie 1316 abgeschafft, um die Waren der Kaufleute zu schützen.

Nun wurde dem Münchner Herrscherhaus das Treiben zu toll. Dem Vater Sachsenhauser sollte der Garaus gemacht werden. Doch so leicht sollte es nicht gelingen, denn die Birg-Burg war wehrhaft, gut mit Vorräten versorgt und sie hatte eine eigene Quelle.

Die Belagerer wollten schon aufgeben, als sie auf das Birgweibl trafen. Vielleicht hatte sie mit dem Raubritter noch eine alte Rechnung offen, jedenfalls war sie nicht gut auf ihn zu sprechen. Sie gab ihnen den Rat: „Gebt einem Pferd drei Tage nichts zu trinken und lasst es dann nach Wasser suchen. So werdet ihr die unterirdische Wasserader, die zur Burg führt, finden.“ Die könnten die Münchner mit Gift ungenießbar machen. Und tatsächlich: Das Pferd fand die Quelle und das dann vergiftete Wasser tat seine Wirkung bei den Burgbewohnern. Kurz darauf musste sich der Raubritter mit seinen Gesellen ergeben und die Burg wurde geschliffen.

Der alte Sachsenhauser verfluchte daraufhin die verräterische Alte, die nun seitdem rund um die Birg umgehen muss. Das Birgweibl erscheint dann in schlichten Kleidern; sie ist klein, trägt einen Strohhut, einen Stock in der Hand und einen Korb. Geht sie von der Birg weg und begegnete ihr jemand, so fragt, wo der Weg nach Baierbrunn geht; geht sie aber zur Birg hin, so fragt sie nach dem Wege nach Schäftlarn; nur kommt sie nie ganz nach Baierbrunn und nie ganz nach Schäftlarn: Denn sie ist in die Grenzen der Birg gebannt und kann über diese nicht hinaus. Um die Sonnenwende erscheinen auf dem Schlossplatz oft das schwarze Pferd und das Birgweibl mit dem Bündel Holz auf dem Rücken.

Und was geschah mit dem alten Sachsenhauser? Er wurde mit seinem Gefolge in München öffentlich durch das Schwert vom Leben zum Tode gebracht.

Der Sohn Konrad (oder ein anderer aus dem Geschlecht der Sachsenhauser gleichen Namens*) soll dann um 1300 in das Kloster Schäftlarn gezogen und sogar Probst geworden sein. Dort sollen am Jahrestag Paulibekehr die Klosterherrn noch lange ein Erinnerungsfest gefeiert haben: Vormittags war Gottesdienst in der Kirche. Sie gaben drei Banzen Bier für die armen Leute aus und teilten Hefennudeln an sie aus.

Dieser Konrad (oder siehe oben*) war jedenfalls tatsächlich ein beliebter und vertrauter Ratgeber Kaiser Ludwig des Bayern. Der Monarch behandelte das Kloster besonders bevorzugt und stattete es mit Privilegien aus. Zum Beispiel urkundete der Kaiser 1330/31 einen Freibrief für den berühmten (und einträglichen) Keferloher Pferdemarkt: „Wir Ludwig von Gottes Gnaden römischer Kaiser, urkunden, dass Wir von besonderen Gnaden, die Wir zu dem Kloster zu Schefftlarn haben, geben haben und geben mit diesem Brief allen Zoll, der von aller Kaufmannschaft fallen mag zu Cheverloch (Keferloh) am Sankt Egidien-Abend und an seinem Tag, so zu Kirchwey ist, allso, dass de Probst und Convent des vorgenannten Klosters zu Schefftlarn den selben Zoll alle Jahr ewiglich nehmen sollen, zu gleicher Weise, als Wir Unseren Zoll zu München nehmen“.

Quelle: Nach Schöppner. Altbayerische Sagen, Ausgewählt vom Jugendschriften-Ausschuss des Bezirkslehrervereins München, München 1906;Der bayrische Volksfreund, Bd. 4, 1827.

Mehr über Schäftlarn in unserem Buch „Entlang der Isar. Von Scharnitz bis München-Thalkirchen - Ausflüge auf den Spuren der Flößer“.