Vorderriß

  • Historische Postkarte; hängt im Gasthof Vorderriß.
  • Flößerei auf dem Rißbach; Foto hängt im Gasthof Post.
  • Minaturfloß über dem Stammtisch im Gasthof Post.

Den Ortsnamen Vorderriß gibt es erst seit 1957. Die Anfänge von Vorderriß aber reichen viel weiter zurück. Um 1500 wird erstmals ein Forsthaus an der Riß-Mündung als Besitz der Herzöge von Bayern erwähnt. Vorderriß hat eine lange Tradition als Jagd- und Forststätte. Damals waren auch viele Flößer - sogar eine Flößerzunft wird genannt - hier, die das Holz aus den Bergen unter Einsatz ihres Lebens in den Bergbächen heraustreiben ließen.

Auch heute wird noch Holz im Karwendel geschlagen, aber die Baumstämme werden nicht mehr auf dem Rißbach, sondern auf den Straßen mit den schweren Holztransportern abgeholt. Denn der Zufluss Rißbach wird gestaut und ein Hauptteil in den 7 Kilometer langen Rißbachstollen, der einmal sogar die Isar unterquert, abgeleitet. Bei Niedernach am Walchensee gelangt sein Wasser in das seit 1951 betriebene Kraftwerk und weiter in den See.

Glaubt man den Erinnerungen Ludwig Thomas, war der sonst so menschenscheue Monarch in Vorderriß wie verwandelt: Er betete mit Holzfällern, Jägern und Flößern, kannte die Einwohner sämtlich beim Namen, und wenn er nicht schlafen konnte, war sich der König nicht zu fein, Oberförster Thoma nachts zu sich zu rufen, um sich mit ihm zu unterhalten.

Die Seeschlacht auf der Isar - Bericht von Oberförster Thoma

Oberförster Max Thoma, Vater von Ludwig Thoma, hat über die Seeschlacht einen Bericht an seine vorgesetzte Behörde im königlichen Staatsministerium der Finanzen geschickt:

„Revier Ries, Forstamt Tölz. Ries, den 27. Juli 1868.

Der kgl. Forstgehilfe Franz Rauchenberger begegnete in der Nacht vom 25. auf den 26. dieses Monats dem als Wilderer berüchtigten Sebastian S. von Lenggries, welcher eben im Begriff war, mit dem „Ochsensitzer“, einem Bauern, und dessen beiden Brüdern seinen durch einen Schuss tödlich verwundeten Kameraden, den ebenfalls übel berüchtigten Anton G. von Lenggries, vulgo Hoisentoni, zu holen und in ein Haus zu bringen. Rauchenberger ging diesen Leuten nicht mehr von der Seite und als sie zu dem Verwundeten kamen, war dieser schon verschieden.

Die Leiche wurde auf eine Bahre gelegt und in die Sägmühle in der Nähe des Forsthauses in der Ries gebracht, den Sebastian S. aber transportierte Rauchenberger zu dem Unterzeichneten, wo derselbe auf Befragen zugestand, das er und G. aufs Wildern gegangen und im Revier Krünn und Walchensee zwei Stück Wild geschossen hatten.

Diese Wildstücke hatten sie dann auf einem Floß, zu welchem sie die Bäume gestohlen haben, verladen und seien abgefahren. Plötzlich seien dann sechs bis sieben Schüsse auf sie gefallen und Anton G. getroffen worden, er selbst sei unverletzt geblieben und mit dem Floß fortgefahren, bis er bei dem sog. großen Ofen (in der Isar) auf einen Felsen aufgefahren und der Floß in Trümmer gegangen sei.

Beide seien dann samt der Ladung – zwei Stück Wild, Gewehre etc. etc. – in die Isar gefallen und nur mit großer Anstrengung sei es ihm gelungen, sich mit dem Verwundeten wieder herauszuarbeiten. Dann habe er den Anton G. ans Ufer hingelegt und sei fort, um Hilfe zu suchen, und am Rückweg dem kgl. Forstgehilfen Rauchenberger begegnet. – Bald darauf kam aber Nachricht, das noch ein dritter und ein vierter Wildschütze ebenfalls ziemlich schwer verwundet seien, von denen der eine nicht mehr vom Platze könne und der andere nur mühsam den Ochsensitz (einen Bauernhof) erreicht habe. Der Unterzeichnete lies dann die Verwundeten abholen und nach Lenggries fahren.

Diese Wildschützen trieben ihr Handwerk mit einer wirklich beispiellosen Frechheit als formlichen Erwerbszweig, standen auch nie oder höchstens nur zum Schein in einer Arbeit. Selbe werden daher auch wenig bedauert, dem Unterzeichneten aber von mehreren Seiten versichert, man sei froh, dass diese Burschen endlich einmal eingegangen seien. Besonders waren der Erschossene, dann dessen Bruder Blasi G. – einer der beiden Verwundeten – und der vom Rauchenberger eingebrachte Sebastian S. sehr gefürchtet und gehasst, da sich diese nicht bloß mit Wilddiebstahl befassten, sondern auch im Verdacht des Viehdiebstahls stehen. Außer der Aussage des gefangenen Wilderers S. ist nichts Weiteres bekannt.
Max Thoma, kgl. Revierforster.“

Quelle: Gajek, Vorlesung Sommersemester, 2007.

Mehr über Vorderriß in unserem Buch „Entlang der Isar. Von Scharnitz bis München-Thalkirchen - Ausflüge auf den Spuren der Flößer“.