Frankenroute

Bis das Buch erscheint, nachfolgend allgemeine Informationen über die

Flößerei in Franken

Rund 800 Jahre reicht die Flößerei im Frankenwald zurück. Bereits im 12. Jahrhundert ist im „Nortwald“, wie der Frankenwald damals genannt wurde, von Sägemühlen an der Rodach in alten Urkunden die Rede. Untersuchungen an den ältesten Dachwerken in der Stadt Bamberg beweisen, dass geflößtes Bauholz aus dem Frankenwald bereits im späten 12. Jahrhundert verwendet wurde. Seit 1386 ist sie für den Frankenwald schriftlich belegt.

Im 14. Jahrhundert existierte eine feste Zollordnung, nach der jeder Flößer, der mit seinem Floß durch Wallenfels kam, ein Pfund und sechs Pfennige oder ein Bloch von jedem Schock Blöcher an den damaligen Amtsvogt bezahlen musste. Nur die Bürger von Wallenfels waren von diesem Zoll ausgenommen.

Eine besondere Vorrichtung verhinderte das Entkommen eines Floßes ohne Bezahlung. Auf den Frankenwaldflüssen gab es - insbesondere in Wallenfels, Zeyern und Kronach - die sogenannten Zollscheren. Das war eine Kette von aneinandergehängten Flößen, die erst dann geöffnet wurde, wenn die Flößer ihren Zoll entrichtet hatten.

Für das Flößen aus dem Frankenwald formulierte das Hochstift Bamberg um 1430 erstmals Vorschriften. Bei den vielen Floßordnungen, die immer wieder neu herauskamen, waren zahlreiche Streitigkeiten nicht immer zu vermeiden. Gewöhnlich reichte es schon, wenn der „Floßausschuß“ solche Dinge regelte. Ging es jedoch um größere Streitwerte, dann musste der von der Regierung eingesetzte „Floßinspektor“ eingreifen.

Kronach, seit alter Zeit ein bedeutender Holzumschlagplatz, an dem sich die Flüsse Rodach, Haßlach und Kronach treffen, bildete den Hauptsitz der Floßherren. Im Jahre 1491sind allein 36von ihnen in Kronach ansässig. Den Floßherren, denen das Holz gehörte, gingen die Floßknechte zur Hand. Während die Floßherren für die damalige Zeit meist in ziemlich wohlhabenden Verhältnissen lebten, waren die Floßknechte in der Regel auf die kleine Landwirtschaft angewiesen, die Frauen, Kinder und Greise während der Abwesenheit der Männer weiterführen mussten.

Der Verdienst eines Floßherrn, der im Jahre 1656 nach Würzburg oder weiter nach Frankfurt fuhr, konnte sich sehen lassen. Er kaufte das Holz für etwa 200 Gulden, um es dann am+ Bestimmungsort für das sechs- bis siebeneinhalbfache wieder zu verkaufen. Die ärmsten Floßknechte, bei denen mehrere kinderreiche Familien unter einem Dach hausen mussten, wohnten in den „Tropfhäuschen“. Das waren Häuser, die gerade von so viel Grund umgeben waren, als durch die Traufe des Daches begrenzt wurde.

Äußerst einfach waren auch die damaligen Speisen. Fleisch kam höchst selten auf den Tisch. Die Hauptmahlzeit der Flößer bestand aus den „Ärpflklöß“ (Kartoffelknödel).

An den Feiertagen trugen die Flößer stets ihre Sonntagstracht. Die Floßknechte setzten die blaue Schiffermütze auf und legten das bunte Halstuch um, während die Floßherren Kniebundhosen, weiße Strümpfe, schwarze Halbschuhe mit silbernen Schnallen, eine Weste mit silbernen Knöpfen, dazu ein buntes Halstuch, einen Gehrock und den hohen, haarigen Zylinder trugen.

Dörfer, in denen man hauptsächlich vom Gewerbe der Flößerei lebte, waren vor allem Wallenfels, Steinwiesen, Friesen, Unterrodach und Steinberg. Aber auch viele kleinere Dörfer entlang der Flüsse und Bäche ernährte das Holz. Hauptabnehmer der Stämme waren nicht nur die unteren Main- und Rheinstädte, sondern vor allem die Niederländer. Noch heute erzählt man sich von den holländischen Holzeinkäufern, die in den Frankenwald kamen, dort mit silbernen Hämmern an die noch stehenden Waldbäume klopften und so feststellen konnten, zu welchem Zweck sich der Stamm verwenden ließ.

Damals verflößte man nicht nur ganze Bäume. Als „Oblast“ wurden stets auch viele Holzerzeugnisse wie Latten, Weinbergpfahle, Hopfenstangen, Bohlen und Schindeln mitgenommen. Dazu kam ein besonders wichtiger Ausfuhrartikel: die Bretter. An den Frankenwaldflüssen konnte man im Jahre 1820 allein 29 Schneidmühlen zählen, von denen jede jährlich etwa 36 000 Bretter schnitt.

Als Nachrichtenüberbringer erfüllten die Floßfahrer einen weiteren wichtigen Dienst.

Im Dreißigjährigen Krieg waren es Frankenwaldflößer, die vielen Menschen das Leben retteten. Nach dem Sonderfrieden von Nordhalben im Jahre 1635 brachten Floßfahrer aus dem Frankenwald den Verhungernden der Main- und Rheinstädte Getreide aus dem Reußischen. Der Beruf der Frankenwaldflößer wurde von vielen Entbehrungen begleitet. Nicht selten mussten die Männer während der Arbeit Hunger leiden, und die Tätigkeit war immer schwer.

Die im Herbst und Winter geschlagenen Stämme wurden meist im Frühjahr, nach dem größten Hochwasser, wenn alle Mühlgräben und Wehre noch offenstehen mussten mit Hilfe der »Wich« (Wieden) und „Spannkeilen“ zu „Kuppeln“ zusammengebunden werden. Dabei legte man auf die Vorderseite des Floßes - anders als in den Alpenländern - die Seiten der Baumspitzen zusammen und brachte das Joch darüber an. Auf diese Weise verjüngte sich eine Kuppel nach vorne, während das Ende breit und schwer war. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurde mit dem „Ü“, „Üt“ oder „Nüt“ vorher jeder einzelne Stamm mit dem jeweiligen Zeichen des Besitzers versehen.

Auf dem „Freiwasser“ - wenn alle Wehre offen waren, musste den Mühlenbesitzern kein Arbeitsausfall bezahlt werden - ging die rasche Fahrt aus den Bergen bis zum Dorfwehr. Dort wurden die Stämme „ausgeschleift“ und zu „Böden“ umgebaut. Jeder Boden erhielt vorne und hinten ein Joch.

Die Ladung wurde herangebracht; sie bestand nicht nur aus Holz, sondern früher auch aus Marmor von Wallenfels und Kohle in Fässern aus Stockheim. Zuletzt wurde der „Schutzansager“ auf den Weg geschickt, um dafür zu sorgen, dass die Mühlenbesitzer von der Abfahrt der Flöße unterrichtet waren.

Hatte man schließlich die Gewissheit, dass alle Wehre und Teiche aufgestaut waren, wurden die Böden „in den Bach geworfen“, man lud die Zeugware (die persönliche Verpflegung der Flößer) auf, und noch in der Nacht ging die Fahrt los. An der Zollschere in Kronach wurde meist die erste Frühstückspause gemacht. Danach hängte man mit der Verbreiterung der Rodach mehrere Flöße zur gemeinsamen Weiterfahrt zusammen.

Mit zunehmender Technisierung wurde auch die Flößerei im Frankenwald immer weniger betrieben. Zwar sah man noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges manches Floß auf den Frankenwaldflüssen dahinziehen, selbst 1958 wurde noch auf der Grümpel eine Floßfahrt bis Friesen durchgeführt.

Im Frankenwald mussten sich die manchmal nur tage- oder wochenweise angestellten Flößer Nebenverdienste in der Waldarbeit oder oder durch Herstellung von Floßhandelswaren wie Breitbeil oder Floßhaken, suchen.

Im Frankenwald, der besonders durch den Floßholzhandel geprägt war, stand der Flößer in einer stilisierten Flößertracht seit 1842 als Symbolfigur stellvertretend für die gesamte Region.

Seit 1977 ist die Flößerei auf der Wilden Rodach eine große Touristenattraktion. Von Mitte Mai bis Mitte September jeweils samstags die etwa 5 km lange Strecke auf der Wilden Rodach zwischen Schnappenhammer und Wallenfels (Flößerhaus) auf Flößen bewältigt wird. Auf jedem Floß finden ca. 25 - 30 Floßgäste Platz.

Quelle: Bajorat/Sazenhofen, Handwerksfibel Flößerei und Trift