Isarroute

Allgemeine Informationen über die Flößerei auf der Isar

Die Isarzählt zu den Flüssen auf bayerischem Gebiet, auf denen seit ältester Zeit Flößerei und Trift betrieben wurde. Sie entspringt im Karwendelgebirge und mündet rund 80 Kilometer östlich von Regensburg in die Donau. Die Flößerei - etwa 285 Kilometer des Flusses konnten befahren werden - reichte hier bis ins 12. Jahrhundert zurück.

Einer Legende nach soll die Isar jedoch schon viel früher als Floßstraße gedient haben. Man erzählt sich, der Leichnam des hl. Emmeran sei bereits im Jahre 715 auf einem Isarfloß zur Donau überführt worden.

Eine geregelte Floßordnung gab es auf der Isar im 13. Jahrhundert. 24 Floßmeister zählte man im 14. Jahrhundert allein in München. Die Isarflößer hatten ein Transportmonopol es wurde »Nasse Rott« genannt.

Wie bedeutend der Floßverkehr auf der Isar in früherer Zeit war, geht schon daraus hervor, dass bereits im Jahre 1477 die stolze Anzahl von 2884 Floßfahrzeugen auf der Isar und dem Nebenfluss Loisach nach Wolfratshausen kam.

Die ersten Zollstätten hatten sie bereits hinter sich. Es gab solche in Mittenwald, Tölz, Wolfratshausen (Loisach), Grünwald, München, Landshut, Dingolfing und Landau. Im 19. Jahrhundert, der Blütezeit der Isarflößerei, erreichten im Jahre 1865 an die 10 000 Floßtafeln die Landeshauptstadt München. 1946 dagegen waren es nur noch 74 Isarflöße.

Auf dem Fluss kannte man zwei Floßarten: die Waldschragen (zwei bis drei Langstämme mit einigen Querstangen, auf denen Bretter dachziegelartig »aufgekastelt « wurden) und die Baumflöße (13 bis 18 Stämme). Auf den Baumflößen wurden Waren aller Art nicht nur bis München, sondern auch in die weiter abwärts liegenden Städte bis nach Wien oder zum Schwarzen Meer transportiert. Dies waren vor allem Leinwand, Tuch, Kalk, Marmor, Möbel (Tölzer Kästen), Wein, Südfrüchte und Geigen aus Mittenwald. 1503 und 1559 beförderte man auch Geschütze.

Ab München wurde vielfach im Verbund gefahren: mehrere kurze Floßtafeln wurden aneinandergehängt oder „gestrickt“, wie man auch sagte. Jedes Floß besaß mindestens ein Ruder vorn und eines hinten. Vorn stand der Ferg (Förg), hinten der Steurer und bei größeren Floßfahrzeugen auch der Drittferg. Besondere Bedeutung kam auf der Isar der Personenbeförderung(Ordinarifloßfahrt) zu.

Ab Tölz und München bestand vom 17. bis 19. Jahrhundert Gelegenheit, mit dem Floß (bei schlechter Witterung sogar in einer kleinen geheizten Hütte) zu den isar- und donauabwärtsliegenden Städten bis nach Wien zu reisen. Mit einem gewöhnlichen Baumfloß betrug die Fahrzeit von Mittenwald bis zur Donau etwa 35 Stunden.

Die Strecke brachte aber auch manche Gefahr mit sich: so die Faller Klamm südlich von Lenggries, zahlreiche Brückenpfeiler, die Thalkirchner Wehre und nicht zuletzt die Felsenstrecke des St. Georgensteins - früher als „der große Heiner“ bezeichnet - bei Grünwald. Der gefürchtete Felsen, der mitten im Fluß steht, wurde im Jahre 1803 in „Georgenstein“ umbenannt, als der Floßmeister Georg Müller zum Dank für seine Rettung aus Wassersnot ein Bildnis seines Namenspatrons dort anbringen ließ.

Brenn- und Nutzholz wurden nachweislich ab dem 15. Jahrhundert auf der Isar und ihren Zuflüssen, der Riß, Jachen, Achen, Steinsbach, Finzbach, Dürrach und Walchen, ebenso auf der Loisach und ihren Zuflüssen, der Partnach, Griesbach, Naulenbach, Eschenlaine, Grieslaine und Ramsach sowie auf der Ammer, dem Ammersee und der Amper betrieben. Auch die Entstehung des Ausdrucks „Tölzer Prügel“ reicht auf die damalige Trift zurück.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges erlosch die Flößerei auf der Isar weitgehendst. Der Grund hierfür lag in der Errichtung von Kraftwerken und der Ableitung des Isarwassers in den Walchensee zur Stromgewinnung.

Vergnügungsfloßfahrten werden allerdings heute noch zwischen Wolfratshausen und München mit großem Erfolg durchgeführt.

Quelle: Bajorat/Sazenhofen, Handwerksfibel Flößerei und Trift