Mainroute

Bis das Buch erscheint, nachfolgend allgemeine Informationen über die

Flößerei auf dem Main

Der Main diente den Flößern aus dem Frankenwald als willkommene Floß- und Handelsstraße. Die Zuflüsse des Mains erschlossen vor allem die Wälder im westlichen Oberfranken mit dem Schwerpunkt im Frankenwald. Zugeliefert wurde Floßholz auch aus den nahe gelegenen Mittelgebirgen. Der von Osten nach Westen fließende Main umfasste als großes Absatzgebiet die gesamten Regionen entlang des Mains und des Rheins bis in die holzarmen Niederlande.

In Schwürbitz am Main wurden die „Hallstädter Stücke“ zusammengebaut, die in der Regel aus sechs paarweise hintereinandergehängten Böden mit je 20 bis 23 Meter Länge bestanden. Daneben gab es auch das „Hallstädter Stümmelstück“, ein Bretterfloß sowie das in Bischberg zusammengefügte „Würzburger Stück“, dessen enorme Länge bis zu 120 Meter betragen konnte.

Ein derart gewaltiges Floß besaß auch eine Feuerstelle sowie eine Holzhütte zum Schlafen. Meist wurde die Mainflößerei in Partien durchgeführt. Eine solche Partie bestand aus sechs Mainflößen mit je acht bis neun Metern Breite und einer Länge von 120 Meter je Floß.

Auf der ersten Floßtafel hatte man die gemeinsame Unterkunftshütte errichtet. Geführt wurde eine Partie von dem Partieführer, dem zwei Flößer unterstellt waren. Für das leibliche Wohl sorgte ein eigener Koch.

Es lässt sich denken, dass eine solche Floßpartie für den übrigen Schiffsverkehr einige Gefahren mit sich brachte. Dem ersten Floß musste daher der „Wahrschauer“ - ein Flößer in einem Nachen - vorausfahren, um die entgegenkommenden Schiffe mit einer rot-schwarz gewürfelten Flagge zu warnen.

Größere Anlege- und Holzumschlageplätze befanden sich in Schweinfurt, Aschaffenburg, Frankfurt und Mainz.

Der Heimweg in den Frankenwald, der früher meist zu Fuß zurückgelegt werden musste, dauerte von Mainz aus etwa drei Wochen.

Der Ausbau des Schienennetzes seit der Mitte des 19. Jahrhunderts führte zu einer späten Blütezeit der Flößerei am Main und zum Ausbau zahlreicher Floßhafenanlagen. Vor allem die Anbindung des Bayerischen Waldes und des Böhmerwaldes an die Strecke Regensburg-Nürnberg erschloss die bisher kaum vom großen Holzhandel berührten Waldgebiete der Mittelgebirge und brachte das Holz an den Main. Dort entstanden mit staatlicher Unterstützung neue Zentren des Floßholzhandels.

Die Expansion der rheinischen Industriegebiete, die Bevölkerungszunahme und das wirtschaftliche Wachstum erhöhten den Holzbedarf und führten - auch angesichts neuer Holzressourcen nach schweren Windbrüchen - zu einem Höhepunkt des Floßholzhandels bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Danach zeichnete sich mit Ausnahme des Mains allmählich der Niedergang der Flößerei in Bayern ab. Auf dem Main gab es 1960 noch die Flößerei, doch bereits damals galt eine Floßtafel als besondere Attraktion.

Quelle: Bajorat/Sazenhofen, Handwerksfibel Flößerei und Trift