Internationaler Flößertag im Drautal 2019

15. -19. August 2019

Spektakuläre Floßfahrten, stimmungsvolle Flößerfeste

Seit 2019 ist auch unser Mitglied in der Internationalen Flößereivereinigung (International Timber Raftsmen Association); wir hatten die Mitgliedschaft anlässlich seines 10-jährigen Bestehens in diesem Jahr beantragt. Kulturreferent Alfred Fraas als offizieller Vertreter der Stadt, sowie unsere Gabriele Rüth und unser Hermann Paetzmann von der Flößerstraße-Vorstandschaft nahmen die Einladung zum diesjährigen „Internationalen Flößertag 2019“, den diesmal der österreichische Oberdrautaler Flößerverein in Kärnten ausrichtete, gerne an. Das viertägige Flößertreffen mit 280 Teilnehmern aus zehn Nationen veranstalteten die Oberdrautaler Flößer bestens organisiert. Es war somit ein großartiges Erlebnis für alle.

Bereits am vergangenen Donnerstag lud die Internationale Flößereivereinigung zu einem Galaabend mit Tanz und Musik in Dellach ein. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der internationalen Flößer, Jaroslav Camplik, wurden die Gastgeschenke an Wilfried Pichler, Vorsitzender des Oberdrautaler Flößervereins und Sachsenburger Bürgermeister, überreicht. Viel Aufsehen erregte das Geschenk Kulturreferent Fraas: Er schenkte ein von ihm gebautes Floßbau-Set mit Holzpflock inklusive 50 Bausätzen; die Flößerstraße überbrachte einen Korb u.a. mit ihren Büchern, Filmen, Broschüren, CD, Karten und einer Flasche Flößerbier.

Es folgten Freitag für die Vertreter der Vereine die Generalversammlung des internationalen Verbandes unter Leitung des Vorsitzenden Camplik, für die anderen Teilnehmer eine Schifffahrt auf dem Weißensee und am Abend ein Flößerfest in Berg. Auf der Versammlung stellten die Finnen ihren Ort Lieksa vor, denn dort findet 2020 der nächste Flößertag vom 16. bis 19. Juli 2020 statt. In den 1870er Jahren entwickelte sich Lieksa, nahe der Grenze zu Russland in Karelien gelegen, durch die Holzflößerei auf dem Lieksanjoki zum Hauptort der näheren Umgebung.

Am Samstag konnten in Spittal-Baldramsdorf das Handwerksmuseum und in Spittal das Museum für Volkskultur besichtigt werden und am Abend folgte ein Flößerfest in Sachsenburg. Am Sonntag fand in Sachsenburg im Freien eine feierliche Flößermesse und ein Festumzug mit der Trachtenkapelle Hasslacher und örtlichen Vereinen zur Floßlände in Spittal, seit 2008 offiziell ernannte „Internationalen Flößerstadt“, statt. Außerdem wurde die internationale Flößerfahne an Suomen Uitttoperinneydistys in Lieksa übergeben.

Am Freitag, Samstag und Sonntag wurden spektakuläre Floßfahrten mit sechs Flößen auf der strömungsstarken Drau angeboten. Die Strecke durch das Drautal ist rund 55 Kilometer lang und umgeben von der imposanten Kärntner Bergwelt; sie wurde in fünf Etappen angeboten. Es ist die letzte freie Fließstrecke der Drau in Österreich. Nach jeder Etappe, die jeweils bis zwei Stunden dauerte, gab es eine Rast.

Unterstützt wurde die Veranstaltung mit den fünf Oberdrautaler Gemeinden Dellach, Berg, Greifenburg, Sachsenburg sowie Baldramsdorf vom Österreichischen Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (LE 14-20/ Entwicklung für den Ländlichen Raum), der Kärntner Landesregierung, dem Europäischen Leader-Programm, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes und größeren Betrieben der Region.

Zur Geschichte der Drau-Flößer

Die Drau war in Kärnten bis ins 20. Jahrhundert eine wichtige West-Ost-Verbindung und galt ab dem 17. Jahrhundert als „Kärntner Holzstraße“ für Sägewerke und später Zellulosefabriken. Von Oberkärnten aus wurden Rund- und Schnitthölzer, Eisenprodukte und andere Waren auf Flößen die Drau abwärts verfrachtet. Der früheste urkundlich gesicherte Nachweis eines Güterverkehrs auf der Drau stammt aus dem Jahre 1209.

Innerhalb der Flößer bildete sich ein informelles Ausbildungssystem vom „Lerner“ (anzulernende/r HilfsarbeiterIn) bis zum erfahrenen „Vorfahrer“, in dem das spezielle Wissen mündlich vermittelt wurde. Mit der Flößerei entwickelten sich im Oberdrautal eine Reihe von kulturellen Besonderheiten wie die „Drautaler Flößersprache“ sowie bestimmte Flurnamen, Speisen und Kleidungsstücke, die auf die Flößer zurückzuführen sind. Nach dem Bahnbau um 1900 hatte der Floßverkehr noch Bedeutung bis in die 1950er-Jahre, als aufgrund der Konkurrenz durch den LKW-Verkehr und den Ausbau der Kraftwerke die Flößerei zum Erliegen kam.

Der Verein der Oberdrautaler Flößer, der sich 1990 als Zusammenschluss von Flößergruppen aus den Gemeinden Dellach, Berg, Greifenburg, Sachsenburg sowie Baldramsdorf gegründet hat, veranstaltet alljährlich um den 15. August Flößertage, bei denen die Ortschaften die Drau mit traditionell gebauten Flößen die die letzte österreichische Fließstrecke der Drau befahren.

Die mit zwei bis drei Personen besetzten Flöße waren (und sind heute noch) 21,5 Meter lang, 4,5 Meter breit, vier- oder fünfstößig und vorne meist mit zwei sowie hinten mit einem Ruder ausgestattet. Gebaut wurden die Flöße an den Holzlagerstätten bei Oberdrauburg und flussabwärts, aus je vier Meter langen Stämmen. Es wurde eine Art Rahmen in die Drau gestellt, in dem das Floß zusammengebunden wurde. Darüber wurde vorn die Kopfstange mit sogenannten „Wieden“, also gedrehten Haselnussstecken, und eisernen Ringhaken befestigt.

Die Technik des Floßbauens und -fahrens hat sich an der Oberen Drau bis heute erhalten. Heute pflegen rund 160 Flößer diese jahrhundertealte Tradition, um das alte Wissen um die Flößerei lebendig zu halten. So wird sowohl innerhalb der Dorfgemeinschaften als auch zwischen den beteiligten Ortschaften eine besondere regionale Identität gefördert.

Übrigens: Wie die deutsche Flößerei, die seit 2014 immaterielles Kulturerbe der deutschen UNESCO-Kommission ist, hat im selben Jahr auch die österreichische UNESCO-Kommission das Wissen um die Flößerei auf der Oberen Drau in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.