Rauhnacht-Dinner "Gruseln mit Genuss"

27. Dezember 2015

Vortrag Rauhnacht-Dinner 2015

Am letzten Sonntag im Jahr 2015 hatten wir ins Wolfratshauer Wirtshaus Flößerei eingeladen, etwas über die uralten Bräuche rund um die Rauhnächte zu erfahren. Und unser 2. Rauhnacht-Dinner „Gruseln mit Genuss“ war — wie schon 2014 — wieder restlos ausverkauft. Neben einem köstlichen Drei-Gänge-Menü mit glückbringenden „Neunerlei“-Speisen, genoss unser Publikum unseren Vortrag mit Geschichten und Geschichtlichem über die Rauhnächte. Auch hatten wir den Saal über und über mit großformatigen Fotografien bestückt, sodass sich jeder bestens ein Bild über die Geister und Dämonen, über die wir berichteten, machen konnte.

Neben unserer Schriftführerin Sabrina Schwenger („Sagen und Legenden“-CDs), die den Vortrag zusammengestellt hatte, erzählten unsere Vorsitzende Gabriele Rüth und unser Schatzmeister, Hannes Kirchhofer, der auch Vorsitzender der Geretsrieder Musikschule ist. Die Dämonen „Bluadiger Dammerl“, „Schiache Luz“ und der Satan (oder auch „Luzifer“ oder „Sparifankerl“) sowie die wichtigste Rauhnachtfigur, die „Frau Percht“, wurden genauer und auch mit eigenen Geschichten vorgestellt. Auch die Perchtenläufe mit den Figuren der „Schönperchten“, wie die „Glöckler“, mit ihren hohen, geschmückten Kopfaufbauten, die „Druden“, die „Wilde Jagd“, die „Nebelfrauen“, der „Klaubauf“ und der „Krampus“ fanden Erwähnung.

Eigens verfasst hatte Sabrina Schwenger eine spannende Rauhnachtgeschichte über den Flößerknecht Max, die er am 21. Dezember, also der „Thomasnacht“, erlebt hat. In diesen Tagen soll möglichst nicht gearbeitet werden, heißt es, um die bösen Geister, den „Bluatigen Thamerl“, die „Wilde Jagd“, den „Polternden Steffel“ und die „Habergoaß“ von sich abzuwenden. Max, der bei der Familie seines Floßmeisters lebt, hatte aber noch zu tun: Er musste noch seine Wieden für die nächste Floßsaison drehen. Und so kommt es wie es kommen muss: In dieser Nacht geschehen unheimliche Dinge rund um den „Buchenau Bull“. Dieser blutgierige Geist soll gerade hinter der Lexen-Alm, zwischen Wackersberg und Benediktbeuern, sein Unwesen treiben. Es heißt über ihn, man dürfe dessen Namen ja nicht laut nennen, und durch ein Fenster sollte man ihn auch nicht in die erleuchtete Stube schauen lassen. Und der „Buchenau Bull“ macht seinem Namen „Bull“ alle Ehre: Denn was war mit den Ochsen im Stall geschehen?

Daneben erzählten wir Wissenswertes über Rauhnachtsbräuche und die vier wichtigsten Rauhnächte, die am 21., 24., 31. Dezembers und am Januar sind. Dann werden z.B. Haus und Stall vom Hausvater mit Weihrauch und ausgewählten Kräutern ausgeräuchert und mit Weihwasser gesegnet. Mensch, Vieh, Hab und Gut sollen so vor den „Einflüssen der Finsternis“ beschützt werden. Das Wort „räuchern“ ist übrigens eine mögliche Herleitung für den Namen „Rauhnacht“. Es könnte aber auch vom mittelhochdeutschen „rúch“ stammen. Das bedeutet „haarig“. Das Wort hat sich in der Kürschnerei noch erhalten: Da werden Pelze auch als „Rauhware“ oder „Rauchware“ bezeichnet.

Nachdem ein leibhaftiger „Krampus“ (unser Mitglied Jörg Schwenger) einigen Schrecken verbreitet hatte, führte Gustl Bader vom Wolfratshauser „Wunschtraum“ für alle im Freien ein Räucherritual am offenen Feuer durch. Vorher durfte jeder seine Wünsche und Hoffnungen auf einem besonders gestalteten Blatt schriftlich formulieren. Dieses konnte man dann ins mit Rauchwerk bestückte Feuer werfen. Ein sehr stimmungsvoller Abschluss in dieser winterlichen Rauhnacht „Zwischen den Jahren“!

Wünsche ins Feuer

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