"Wege des Holzes" Floßfahrt 2019

26. und 27. September 2019

Interreg-Projekt „Wege des Holzes“ mit Verein Flößerstraße

Treffen im Flößermuseum in Lechbruck

Zur Fachtagung „Wege des Holzes“ in Lechbruck wurde unser Verein vom Verein Flößerstraße zusammen mit den übrigen 14 Teilnehmern vom Förderverein des Flößermuseums herzlichst aufgenommen. „Wir haben eine durchaus produktive und interessante Tagung abgehalten“, so Projektleiter Franz Straubinger aus Wolfratshausen, der beruflich im Naturparkhaus in Hinterriß arbeitet.

Bei dieser zweitägigen Tagung handelte es sich bereits um die dritte Fachtagung zu „Wege des Holzes“, die allerdings entgegen der beiden Vorläufer nicht durch das Interreg-Projekt finanziert wurde. Umso mehr freue er sich, so Straubinger, über das Engagement der Anwesenden, auf eigene Kosten an der Tagung teilzunehmen. Schließlich sei die Einladung nach Lechbruck ebenso wie der Vorschlag für weiterhin regelmäßig stattfindende Tagungen aus dem Netzwerk selbst hervorgegangen und damit bereits bester Beweis für dessen Zukunftsfähigkeit. Künftig werden die Tagungen allerdings auf einen Tag zu verkürzt. Kurz vor Abschluss geförderten des Interreg-Projekts wollen die Projektpartner am Freitag, 28. Februar 2020 ins neue Infozentrum in Scharnitz zusammenkommen. Wer an einer Teilnahme Interesse hat, Anmeldungen bei Gabriele Rüth per E-Mail: info@floesserstrasse.eu.

Straubinger fasste auf der Tagung die Maßnahmen aus dem Netzwerk, an welchen intensiv gearbeitet wurde zusammen:•Die technisch bereits seit längerem eingerichtete „interaktive Karte“ www.wegedesholzes.org ist von allen Partnern mit Text und Bildern befüllt. Sie kann nun in Kürze mit vollem Funktionsumfang auf den Homepages der Partnerinstitutionen mittels HTML-Code eingebettet werden. •Das auf der letzten Tagung geforderte gemeinsame Logo sowie ein entsprechendes CD liegt vor; gegen Unterzeichnung einer Nutzungserklärung können sämtliche Partner im Netzwerk Logo und offene Layoutdateien verwenden.

•Im Zuge dessen wurden für 11 Institutionen Postkarten in DIN A 6 lang im einheitlichen Stil kreiert, die nun zur wechselseitigen Bewerbung bei den Partnerinstitutionen aufgelegt werden können. In Scharnitz wurde dafür eigens das Wandfresko geschaffen. •Mitte Juli hat der Naturpark Karwendel, unterstützt durch den Tourismusverband Alpenwelt Karwendel aus dem Netzwerk, eine Pressekonferenz abgehalten, auf die bereits umgesetzten Ergebnisse (siehe die drei Punkte oben) präsentiert wurden. Es wurde sowohl in Tirol als auch in Bayern weitreichend berichtet. •Aus den Daten der interaktiven Karte soll nun noch eine Faltkarte als Drucksorte entstehen; diese wird auf der Vorderseite die Karte mit Icons für die Institutionen, auf der Rückseite dann die Portraits der jeweiligen Partnerorganisationen und ihre Kontaktdaten enthalten. Die Karte ist bereits gesetzt und wird noch im Oktober in Druck gehen. •Schließlich wird noch ein Imagefilm für die Wege des Holzes gedreht werden, bei dem auch kurze Portraits der Partnerinstitutionen gezeigt werden sollen. Als noch offene Punkte für das Netzwerk verbleiben nun im Grunde genommen nur das WIKI als Wissensdatenbank, sowie eine gemeinsame Wanderausstellung.

Das INTERREG-Kleinprojekt „Forstwiki“

Im Anschluss griff Albuin Neuner, Forstamt Innsbruck, das Thema „WIKI“ auf und informierte über das geplante Kleinprojekt: ein breites Netz von Partnern (bayerischer und Tiroler Forstverein, Stadt Innsbruck, Gemeinde Schwaigen, bayerische Staats-und österreichische Bundesforste, Naturparke Ammergauer Alpen und Karwendel...) wird einen Antrag für ein Kleinprojekt einreichen. Dessen alleiniges Ziel ist die Recherche zur Forstgeschichte im Bereich Ammergauer Alpen bis zur Stadt Innsbruck, sowie die Strukturierung und das Lektorat der recherchierten Inhalte. Diese sollen ultimativ im WIKI Wege des Holzes, welches technisch noch durch den Naturpark Karwendel eingerichtet werden wird, publiziert werden. Bei Genehmigung wird das Kleinprojekt bereits zum 1. Januar 2020 starten, sodass die Abstimmung mit den „Wegen des Holzes“ noch zeitnah erfolgen könnte.

„Stadt –Wald –Fluss“ im Isar-Loisach-Gebiet

Die Beanspruchung der Wälder im Isar-Loisach-Gebiet im Laufe des vergangenen Jahrtausends stellte Max Leutenbauer, Revierförster in Kochel, in seinem eindrücklichen Vortrag heraus, dabei vor allem die nicht zu überschätzende Bedeutung von Holz als Rohstoff der vorindustriellen Zeiten. Dabei nahm er auch Bezug auf die Auswirkungen, die der Raubbau an den Wäldern des Isarwinkels zeigte –er verwies aber schon zu Beginn darauf, dass die dort exemplarisch dokumentierte Nutzungsintensität wohl ohne Probleme auf die gesamte Projektregion der Nord-und Voralpen vom Lech bis zum Chiemsee zutrifft.

Nachdem er zunächst die geologische und ökologische Grundlage –die verschiedenen im Projektraum vorkommenden Waldtypen und ihre Leitbaumarten –umriss, verdeutlichte Leutenbauer anhand von ausgewählten Zitaten aus der ersten Bayerischen Forstordnung von 1568, Korrespondenzen von „Pflegern“ und Herzog, Aufzeichnungen des Klosters Benediktbeuern und anderen historischen Schriftstücken, unter welchem Nutzungsdruck die Wälder ab dem Spätmittelalter standen.

„Dass stellenweise nur mehr für fünf Jahre Holz zur Verfügung stand, zeigt drastisch, welchem Nutzungsdruck die Wälder schon im 16. Jahrhundert ausgesetzt waren“, so Leuterbauer. „Um diesen hohen Holzverbrauch nachvollziehbar zu machen, führte Leutenbauer exemplarisch die zahllosen historischen Verwendungsmöglichkeiten für Holz vor Augen: Ob als Brennstoff für private Haushalte oder Gewerbe, zum Kalkbrennen, zur Eisen-und Salzgewinnung oder als Baumaterial vom dünnsten Reisig für einfaches Korbflechten bis zum massiven Balken für die Zimmerei oder zum Brückenbau –die heutige Allzweckfunktion der erdölbasierten Kunststoffe nahm bis zu deren Entdeckung das Holz ein. Den Flüssen als Transportwegen kam dabei besondere Bedeutung zu, mussten sie mit Uferbefestigungen auch nach Hochwassern schnell wieder flößbar gemacht werden. Deshalb wurden eigens, um diesen Holzbedarf zu decken, die flussnahen Waldstücke unter besonders strengen Schutz gestellt.

Führung durch das Flößermuseum Lechbruck

Am Nachmittag führte Ingrid Kahlert von den Lechbrucker Flößern die Tagungsgäste durch die Ausstellungsräume des Flößermuseums. Die Ausstellung ist in einem historischen Gebäude untergebracht, das selbst wichtige Hinweise auf die Flößerei (wie bestimmte Flößermarken) enthält. Lechbruck unterscheidet sich als Flößerdorf markant von den umgebenden Ortschaften, war doch nahezu gar keine Landwirtschaft im Ort ansässig und entsprechend alles einzig von der Flößerei geprägt. Auf dem Lech ließ es sich ab Lechbruck bis Augsburg und natürlich noch weiter flößen, und mit dem Handwerk der Flößerei kamen mit dem Handel (und den sogenannten „Kauderern“) viele andere Gewerke nach Lechbruck.

Über die Gefahren und technischen Schwierigkeiten beim Lenken eines Floßes berichtete Ingrid Kahlert ebenso wie über die prekäre soziale Stellung, die besonders die Floßknechte, aber auch die Floßmeister einnahmen. Schließlich dauerten die längeren Floßfahrten viele Wochen, und die Einnahmen waren bei der späten Heimkehr meist verbraucht. Für die kinderreichen Familien bedeutete dies zumeist ein Leben in großer Armut. Das Ende der Flößerei waren in Lechbruck aber nicht die Staustufen im Lech, die erst in den 50er Jahren realisiert wurden, sondern der Ausbau der Eisenbahn. Heute eingestellt, erreichte früher eine Bahnlinie Lechbruck und grub den Flößern das Wasser ab.

Besichtigung des Walderlebniszentrums Ziegelwies

Carolin Klughammer, Geschäftsführerin des Vereins Walderlebniszentrum Ostallgäu –Außerfern e.V., begrüßte die Gruppe und stellte zunächst die Genese des Walderlebniszentrums vor. Direkt an der bayerisch-Tiroler Grenze in einer Region mit zahlreichen Touristen gelegen, besuchen etwa 100.000 Gäste den weithin bekannten Baumkronenweg. Darüber hinaus bietet das Walderlebniszentrum auch noch einen informativen Bergwald-und einen Auwaldpfad, sowie eine Ausstellung für alle Altersklassen. Diese sind jedoch alle kostenlos und es werden daher keine Besucherzahlen erfasst. Man aber wohl von etwa 50.000 zusätzlichen BesucherInnen ausgehen. Im Anschluss an die prägnante Vorstellung geleitete Klughammer die Tagungsgäste über den aussichtsreichen Baumkronenweg. Dabei fanden sich viele Möglichkeiten für weitere Gespräche zur Projektgenese und zu allgemeineren Fragen der Besucherinfrastruktur.

Workshop „Wege des Holzes“ – Maßnahmen im Netzwerk

Am Folgetag wurde ein Workshop abgehalten, um gemeinsam das weitere Vorgehen im Netzwerk zu besprechen. Die Tagungsteilnehmer sprachen über die angefertigten Postkarten. Grundsätzlich gefällt die von der Alpenregion Tegernsee-Schliersee bei der letzten Fachtagung zugesagte und inzwischen durchgeführte Anpassung an das Wege-des-Holzes CI allen sehr gut. Hubert Salcher, Holzmuseum Wildschönau, schlug Postkartenständer vor. Franz Straubinger wird nun bei Tischlereien anfragen, um einen schlichten, schmalen Postkarten-Ständer für die „Wege des Holzes“ - Postkarten, der maximal 100 Euro kosten soll.

Weiteres Thema war die budgetierte Wanderausstellung für den Workshop, da diese in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk entstehen soll. Im Gespräch konkretisierte sich die Vorstellung von UV-resistenten Tafeln in DIN A1, die mit wechselnden Hängesystemen indoor wie outdoor präsentiert werden können (ggf. „Schwedenreiter“ als Hängesystem draußen). Inhaltlich soll die Ausstellung einen Überblick über die weiten Themenfelder der „Wege des Holzes“ –Kulturgeschichte und natürliche Vielfalt –bieten. Straubinger wird diese Vorschläge nun weiterverfolgen und voraussichtlich ab Januar 2020 an die Umsetzung einer solchen Wechselausstellung gehen.

Floßfahrt auf dem Lech

Abschließend lud der Förderverein Flößermuseum Lechbruck noch zur Floßfahrt mit Floßmeister Gerd Ludwig. Dieser navigierte die Projektgruppe gemütlich über den Lech, während sein Kollege erneut eine Schilderung der historischen Floßfahrt zum Besten gab.

  • Teil der Tagung war eine Floßfahrt auf dem Lech

Eckdaten des Projekts „Wege des Holzes“

Das Projekt wird im Förderprogramm INTERREG V-A Österreich-Bayern 2014 bis 2020/ Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)gefördert. Die Projektlaufzeitgeht vom Oktober 2016 bis Ende März 2020, der Projektumfangbeläuft sich auf1,7 Millionen Euro, davon 75 Prozent Förderung. Projektpartner in Tirol sind der Naturpark Karwendel (Leadpartner) und die Gemeinde Scharnitz, in Bayern das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und das Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee. Geplante Projektinhalte sind das Abtragen und Wiederaufbau von historischen Holzerhütten auf bayerischer und Tiroler Seite mit Einbeziehung des Außengeländes, die Durchführung von zwei Fachtagungen, die „didaktische Aufbereitung des Themas Waldökosysteme/ Holznutzung“ im (Vor)-Alpenraum sowie die zielgruppenspezifische Bewerbung einschlägiger Angebote. Siehe auch www.karwendel.org/wege-des-holzes im Download-Bereich.